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Artist: Hannah Marcus
Release: faith burns
Label: Normal Records
Releases:
black hole heaven
faith burns
river of darkness
No.: N 214
Format: CD
Date: 1997


Tracklist:

01 face in the moon
02 trona
03 watching the warriors
04 st. raymond of the dogs
05 pardon me mister sunrise
06 the first time ever i saw your face
07 never to late to cry
08 river phoenix
09 ariel
10 the hanged man


Ihre Musik wurde beschrieben, „als eine dieser Reisen durch`s Herz der Finsternis ans Ende der Nacht, auf die man sich von gewissen Songschreibern - etwa John Cale - gerne mitnehmen läßt.“ (Zitty). Sie wurde als „eine der schönsten Stimmen, die seit langem aus den Staaten zu hören waren“ geadelt. (WOM Journal). Das Zillo-Magazin bezeichnete ihr Debüt „River Of Darkness“ als „dunklen Fluß, geheimnisvoll, sehr tief und voller Strudel“ und der Rolling Stone beschrieb das Album als „introvertiert-poetisches Werk, dessen Intensität einem manche Schauer über den Rücken rieseln läßt.“ Nach einem Konzert entdeckte man in ihr jene Sorte Frau, die in ihrer Jugend klassisches Klavier gelernt hat, Bücher von Oscar Wilde, J.D.Salinger und Franz Kafka gelesen hat und irgendwie immer noch ein romantisches, schwieriges Mädchen ist, das sich und ihre Umgebung genau beobachtet und empfindsam und verletzt reagiert, wo andere nichts bemerkt haben.
Die Person Hannah Marcus und ihre Kunst beflügeln die Phantasie der Journalisten. Was kaum verwundert, denn die emotionale Tiefe ihrer Lieder offenbart sich nicht sofort - und schon garnicht beim schnellen Drüberweghören. Darin liegt eine der wesentlichen Stärken der Songschreiberin aus Los Angeles. Die Lieder brauchen Zeit. Vielleicht dauert es deshalb solange bis die Künstlerin selbst sie für die Öffentlichkeit für gut befindet. Daß sie Lieder immer wieder umschreibt, umarrangiert, sich entwickeln und verändern läßt, ist keine Seltenheit. Das gilt auch für ihre Konzerte. Hier wechselt sie schonmal Abend für Abend bei ein und dem selben Lied die Instrumente und Stilmittel. Mal zelebriert sie feingesponnene Kammer-Pop-Klänge auf dem Klavier, mal umgibt sie ihre tiefe Nachdenklichkeit mit düster-rauhen, elektrischen GitarrenTöne.
Hannah Marcus wurde in New York geboren. Im zarten Alter von fünf Jahren lernte sie bei ihrem Vater, einem klassischen Komponisten, Violine, Cello und Flöte. Zum Klavier und zur Gitarre fand sie erst später. 1987 zog sie nach San Francisco. Hierzulande wurde sie erstmals durch ihren Beitrag zur Spex-Compilation „Hit Me With A Flower - The New Sound Of San Francisco“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In der sparsam instrumentierten Abhandlung „Demerol“ kulminierte ihr Schmerz in Zeilen wie „When I heart an angel fall, now if I say there`s a paradise - please even if it´s just the Demerol“. So einen schonungslosen Song, so viel echtes Leid hatte man lange nicht gehört. Aber irgendwie passte weder der Song noch sie selbst auf die Compilation. Denn im Grunde fühlte sich die introvertierte Sängerin und Songschreiberin in San Franciscos Folk-Szene nie heimisch, auch wenn sie schon seit 1987 mit Mitgliedern von American Music Club, Penelope Houston Band, Viva Saturn, Thin White Rope und Pray For Rain immer mal wieder zusammengespielt hatte. Ein Umstand, der schließlich zum Umzug nach Los Angeles führte. In Mark Kozelek, Sänger und Kopf der Red House Painters, entdeckte sie einen verwandten Geist. Mit ihm produzierte sie Ende 1991 ein Demo, das als „Weeds & Lilies“ auf dem Mailorder Only-Label „Return To Sender“ (Normal-Mailorder) veröffentlicht wurde. Auf der erfolgreichen 1994er Return-To-Sender-Festival-Tour (mit Chris Cacavas, Louis Tillett & Charlie Owen) beeindruckte sie dann das hiesige Publikum mit emphatisch-leidenschaftlichen Konzerten, die durchaus Vergleiche mit Tori Amos zuliesen.
Mark Kozelek stand Hannah Marcus auch bei ihrem Debüt-Album „River Of Darkness“ als Co-Produzent und Gitarrist zur Seite. Das Ergebnis war ein - bis auf wenige Ausnahmen - ziemlich leises Album. Eine filigran zerbrechliche Songsammlung mit zurückhaltender Instrumentierung. Violine, Cello, Klavier, ein bißchen Bass und Gitarre eröffneten der Musik Raum und den Liedern Zeit, ihre bittersüßen Emotionen zu entfalten. Hannah Marcus lotete die stillen Sekunden zwischen den Noten aus und schaffte ätherische Klangskizzen voll tiefer Melancholie.
Auch ihr neues Album „Faith Burns“ ist ein wunderbar zart verhaltener Liederzyklus, der genau das in Töne fast, was uns schon in Kürze erwartet: eine nebelverhangene Herbst- und Winterzeit. Wieder findet man diese eher introvertierte Auseinandersetzung mit eigenen Gefühlen und der Wille sich immer wieder selbst zu erretten. Sie grübelt, aber sie verzweifelt nicht, sie ist melancholisch aber nie tieftraurig. „Time has taught me how to be alone“, singt sie in „Never Too Late To Cry“. In „Pardon Mister Sunrise“, eine Bar-Jazz-Ballade im Stil der 50er Jahre, beschwört sie den Sonnenaufgang, doch noch eine Stunde zu warten, denn „my love was born in shadows, in the darkness of the night. and a love that´s born in shadows look different in the light.“. Aber ganz so tragisch ist das nicht, denn „what rises must come down“.
Auch wenn die Parallelen zum Debüt offensichtlich sind ( den Part von Mark Kozelek hat Joe Goldring übernommen) und die poetischen Texte wieder in seltsame psychische Regionen vorstoßen, von Träumen. Obsessionen Verirrungen und Reaktionen auf ganz reale Dinge erzählen, hat sich Hannah Marcus hörbar weiterentwickelt - vor allem musikalisch. „Faith Burns“ ist merklich mehr ausformuliert und ausarrangiert, und der Instrumentenpark um Keyboards, Akkordeon und Bläser erweitert worden. Die Songs verlieren sich nicht in purer Schönheit. Stets geht ein feiner Riss durch die Harmonie. Eine Pianoelegie wie „Watching The Warriors“, die sensible Interpretation des Roberta Flack Klassikers „First Time Ever I Saw Your Face“ und das getragene „Never To Late To Cry“ sind die Ausnahme, das Zusammentreffen von tropfenden, dunklen Tönen in Moll und Hannahs sinnlich-sphärischer Stimme mit beunruhigenden Klängen und obskuren Geräuschen die Regel in ihrem andauernden Kampf gegen die Schwerkraft. Selbst die Streichereinlagen schmeicheln nicht, sondern laufen ziemlich quer. Und vor einbrechenden Gitarrenfeedback-Brocken ist man auch nicht sicher. Songs wie die Ode an „River Phoenix“ oder die sublime Dichtung „Face The Moon“ zeigen eine ausgeprägten Sinn für das Surreale. Sie sind im besten Sinne schwierig und verstoßen ausdauernd gegen alle Regeln der Zunft. Eingängige Refrains wird man vergebens suchen, ebenso wie Musik, die sich eindeutig bestimmten Stilen und Schubladen zuordnen läßt. Bar-Jazz-Verwandtes trifft auf moderne Kammermusik, alptraumhafte Instrumentalcollagen auf quälend langsam ausgebreitete Rock-Avantgarde und akustische Folk-Impressionen auf zyklisches Klangkino. Ohne Kitsch, Schwere und Schwulst zeichnet Hannah Marcus ihre nächtlichen Skizzen, die auf ganz subtile Art gefangennehmen.
Wer Musik als Abenteuer abseits ausgelatschter Trampelpfade schätzt wird „Faith Burns“ lieben und Hannah Marcus in einem Atemzug mit denen von ihr verehrten Vorbildern (Leonard Cohen, Nick Drake, Tom Waits, Jaques Brel, Joni Mitchell und Nina Simone) nennen, denen sie nahe ist, ohne ihnen nachzueifern. Volkard Steinbach (vst)
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