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Artist: Jansen
Release: prepost
Label: Normal Records
Releases:
muedigkeit
prepost
No.: N 229
Format: 2LP/CD
Date: 2001


Tracklist:

01 muedigkeit
02 bazar der worte
03 die unschuldigen
04 ein gutes leben
05 elektromops
06 die stimme der vernunft
07 revolutionaer
08 taub, stumm und blind
09 das werk
10 himmel
11 allein im hof
12 montags bei madame
13 schlaf ein


Eigentlich sollte Jansen nur ein ungezwungenes Projekt sein, das erste Soloding von Markus Maria Jansen, der als Sänger, Songwriter, Multi-Instrumentalist, Texter und Soundtüftler von M. Walking On The Water zwölf Jahre lang ein kleines, aber nicht unbedeutendes Stück deutscher Popgeschichte mitgeschrieben hat. Doch wie die Zufälligkeiten des Lebens spielen, entwickelten sich die Sessions mit Frank Kaulhausen (Schlagzeug) und Philip Lethen (Kontrabass) so gut, dass alles andere als die Gründung einer Band Ressourcenverschwendung gewesen wäre.
Nach der ersten kreativen Fingerübung (Musik zum Film "Erntezeit" von Stefan Schneider) nahm das Trio in Markus Marias Dachbodenatelier unter Zuhilfenahme von Naturfellschlagzeug, obskuren russischen Becken, Kontrabass, Gitarre, Moogsynthie, Trompete und singender Säge seine selbstbetitelte Debüt-CD auf, die Anfang 1998 veröffentlicht wurde und ein eigenwilliges Konzept präsentierte: Musik, die "schräg, schön, sentimental und böse ist, mit Sprechgesang, Melodien, Geschrei, Chaos und rauhem Pop im Jazz-Ambiente, mit superguten Fehlern und deutschen Texten mit Abenteuern, Poesie, Liebe, Trotz und Quatsch".
Nicht weniger phantasievoll als Jansen über Jansen fiel dann auch das Urteil der Presse aus. "Die Songs schimmern wie regennasse Straßen", fabulierte das Intro- Magazin und Zillo beschrieb eine "eckige und kantige Musik, die sich mit ihrem spröden Charme in etwa so anhört, als hätten sich M.Walking... in einen in einer Garage beheimateten Jazzclub verirrt." Der Musikexpress entdeckte "wild- romantische, kleine böse Geschichten", das WOM-Journal "wunderbar eigenwillige, deutsche Schrägpopsongs" und die Frankfurter Rundschau gar "eine Geistes- verwandtschaft zu dem US-Star Beck".
Über mangelnden Zuspruch - die Erstauflage des Debüts war rasch ausverkauft - brauchte sich die Band, die durch den Trompeter Markus Türk (Ex-Family Five) zum Quartett angewachsen war, fortan nicht zu beklagen. Fast zwei Jahre lang bespielten Jansen jede nur mögliche Bühne, wobei sie regelmäßig ein enthusiastisches und/oder verstörtes Publikum zurückließen. Etwa bei der Österreich-Schweiz-Tour mit Element Of Crime, den denkwürdigen Konzerten in Bigband-Besetzung in der Krefelder Kulturfabrik und zuletzt bei Gigs mit der Londoner Band Copenhagen, bei denen sie schon einige der Songs des neuen Albums "Prepost" live antesteten, das sie in einem "guten, langen Studiosommer" eingespielt haben. Mit reichlich Ehrgeiz!
"Das Beste, Eigenwilligste deutsche Alternativalbum der letzten und der nächsten zehn Jahre zu machen" - das war das Ziel, das sich Jansen selbst gesteckt haben. In jedem Fall hat sich das Quartett für die dreizehn Songs von "Prepost" jede Menge origineller Ideen einfallen lassen. Natürlich spielen auch wieder alte und neue Instrumente von Flohmärkten und aus Second Hand Läden eine gewichtige Rolle beim Zusammenbasteln des Jansen-Sounds, der diesmal nicht "naturkaputt" wie beim Vorgänger sondern "naturelektrisch und unverschämt digitalisiert" tönt. Kein Zweifel: Markus Maria Jansen weiß, wie er die Musik seiner Band nur mal so in Worte kleidet.
Höhepunkt aller kreativen Ambitionen ist das weit verwinkelte "Himmel", für das Jansen Sven Regener von Element Of Crime als Produzent gewinnen konnten, einen Bruder im Geiste, dessen Sinn fürs Sperrige ziemlich gut zu MMs "Basar der Worte" passt. Aber EOC mit ihren Blecheimer-Harmonien und Brecht/Weill-Verweisen sind nur eine mögliche Assoziation für Jansens wunderbare Ansammlung schleppender Walzer, verloren klingender Chansons, scheppernder Kabarett-Musik und knarziger Popklänge, die sich ganz gemächlich ins Gehör bohren und wie die melancholische Nachtschwärmer-Elegie "Müdigkeit" erst nach und nach als richtige Mitsumm-Melodien entpuppen.
Can mag man heraushören, Tom Waits, die Tindersticks, Tortoise, Cake und bei den Stücken mit berstender Spieleuphorie und voluminöser Bläserpracht alte rumänische Zirkuskapellen, in denen verschollenen geglaubte Brüder von Miles Davis für den Jazzeinschlag sorgen. Und da war noch was innerhalb des akustischen Irrgartens, das bekannt und seltsam vertraut erscheint M. Walking On The Water. Wie bei seiner alter Band offenbart Markus Maria auch bei Jansen seine instinktiven Ent- deckerqualitäten. Ungewöhnliche Songs zu schaffen sind ihm zur Passion geworden. "Wenn man Musik mit Phantasie macht, dann ist es egal in welche Richtung das geht", erklärt er die Vielfalt des zweiten Jansen-Albums, auf dem neben Bänkelsänger-Tradition und Moritaten-Kunst, molligen Balladen und Bar-Jazz-Momenten mit traurig tönender Trompete auch federleichte Sprechgesang-Übungen ("Revolutionär") und ein Kraftwerk`scher Elektro-Schabernack ("Elektromops") Platz finden. Aber egal, ob ernst, nachdenklich, traurig, verwirrend oder fröhlich - "Prepost" versendet Musik, die mitten ins Herz trifft.
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